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Ulrich Janssen: Zu jung für den Herzinfarkt

1993, im Alter von 34 Jahren – ich war gerade Berufsoffizier der Bundeswehr geworden und strebte eine militärische Karriere an. Ich spürte etwas in meiner Brust, schenkte dem aber keine große Beachtung, hörte nicht auf die Signale, die mein Körper mir sandte.
26. August 2026

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Ulrich Janssen: Zu jung für den Herzinfarkt

Mein Herzinfarkt

1993, im Alter von 34 Jahren – ich war gerade Berufsoffizier der Bundeswehr geworden und strebte eine militärische Karriere an. Ich nahm eine Einladung einiger Kollegen an, mit ihnen zum Fußballtraining zu gehen.

Nach dem Training musste ich mich jedoch mit hochrotem Kopf hinlegen, um mich auszuruhen. Ich spürte etwas in meiner Brust, schenkte dem aber keine große Beachtung, hörte nicht auf die Signale, die mein Körper mir sandte.

Zwei Tage später – ich hatte den General getroffen und den Job bekommen, auf den ich mich beworben hatte – bat ich meine Frau jedoch, uns nach Hause zu fahren, da ich mich nicht in der Verfassung fühlte, die über 600 Kilometer lange Heimfahrt zu übernehmen. In den folgenden vier Wochen arbeitete ich zwar weiter, wurde aber immer schwächer. Schließlich überwies mich der Arzt zur EKG-Untersuchung ins Krankenhaus.

Der Chefarzt der Kardiologie sagte mir sofort und unverhohlen, dass ich vor einigen Wochen offensichtlich einen Myokardinfarkt erlitten hätte. Das war der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass etwas Ernstes mit dem Motor meines Körpers, meinem Herzen, passiert war.

Ein Spiel für alte Männer?

Vor diesem Tag hatte ich nie Probleme mit meinem Herzen. Mein Vater hatte vor einigen Jahren welche, genauer gesagt einen Herzinfarkt, und er starb mit 67. Meine beiden Großväter waren in ihren 60ern an Herzinfarkten gestorben. Aber in meiner Familie war das nie ein Thema, über das man offen sprach.

Für mich war es kein Grund zur Sorge, als älterer Mann einen Herzinfarkt zu erleiden – es schien irgendwie „normal“. Und klar, mit Anfang 30 fühlte ich mich jung und fit und kerngesund.

Als ich 1993 wegen des EKGs und der anschließenden Beobachtungszeit im Krankenhaus war, fragten mich die Kardiologen zum ersten Mal nach Herzerkrankungen in meiner Familie. Und nun wurde mir klar, dass ich mich in derselben Situation befand, dass ich auf dem Weg war, in ihre Fußstapfen zu treten, auf dem Weg zu einem frühen Tod, wenn ich mein Verhalten und meinen Lebensstil nicht änderte.

„Und nun wurde mir klar, dass ich mich in derselben Situation befand, dass ich auf dem Weg war, in ihre Fußstapfen zu treten, auf dem Weg zu einem frühen Tod …“

Eine Warnung

Damals sagte mir ein junger Kardiologe, dass mein Leben und meine Karriere in der Armee immer noch in meinen eigenen Händen lägen. Allerdings musste ich etwas ändern – selbst aktiv werden und für mich selbst das metabolische Syndrom in den Griff bekommen: meine Medikamente regelmäßig einnehmen, Gewicht reduzieren, mit dem Rauchen aufhören, mich gesünder ernähren, auf Alkohol verzichten und Sport treiben.

Ursprünglich habe ich meinen Herzinfarkt 1993 als eine Art gelbe Karte betrachtet – nicht mehr als eine Warnung. Ich habe weiter gearbeitet und aus dieser einschneidenden Erfahrung nicht wirklich meine Lektion gelernt.

Es dauerte mehrere Jahre, bis ich 2001 einen Schlaganfall erlitt, einen leichten, eine TIA … zum Glück. Das war für mich die rote Karte, die mich schließlich dazu brachte, mein Leben ziemlich grundlegend zu ändern.

 

Mein Leben verändern

Ich habe nicht nur einige meiner schlechten Gewohnheiten in Bezug auf Rauchen, Trinken und Essen geändert. Ich habe auch abgenommen – etwa 25 Kilo – und habe mit regelmäßiger körperlicher Betätigung begonnen, die ich bis heute beibehalte. Ich habe gelernt, mich an die notwendigen Einschränkungen anzupassen.

Ich musste neue Grenzen finden – weniger anspruchsvoll zwar, aber dennoch sehr erfüllend, wenn man sie erreicht. Heutzutage führe ich ein weitaus achtsameres und bewussteres Leben, wobei ich mich ganz auf das Hier und Jetzt konzentriere. Neben der Tatsache, dass ich nun schon seit mehr als 30 Jahren regelmäßig bis zu 11 Tabletten täglich einnehme, versuche ich, Stress zu vermeiden, gelassener zu sein, mich gesünder zu ernähren, weniger Alkohol zu trinken und mich regelmäßig sportlich zu betätigen.

„Ich musste neue Grenzen finden – weniger anspruchsvoll zwar, aber dennoch sehr erfüllend, wenn man sie erreicht.“

Knapp davongekommen

Wie im April letzten Jahres – ich hatte ein seltsames Gefühl in der Brust, etwas, das ich in den letzten 30 Jahren nicht gespürt hatte, nichts, was wehtat, nur seltsam und mir gänzlich unbekannt. Meine Frau schickte mich zu meinem Kardiologen, der mein Herz per EKG und Ultraschall untersuchte – alles war in bester Ordnung, wie immer.

Ich bat ihn höflich, den NT-proBNP-Wert in meinem Blut zu überprüfen. Zehn Minuten später und angesichts eines jetzt nachgewiesenen erhöhten Wertes des hochsensitiven Troponins überwies er mich umgehend in die Notaufnahme des örtlichen Kreiskrankenhauses. Noch am selben Tag wurde mir dort im Zuge einer Herzkatheteruntersuchung mein erster Stent eingesetzt, da eines meiner Herzkranzgefäße stark verengt und fast vollständig verstopft war.

Ich war nur knapp einem weiteren Herzinfarkt entgangen! Das führte mir meine Situation wieder deutlich vor Augen.

 

Andere unterstützen

Nachdem ich Ende 2021 in den Ruhestand versetzt wurde, dachte ich mir, dass ich nun reichlich Zeit hätte, um etwas Sinnvolles zu tun. Angesichts meiner eigenen Vorgeschichte mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde ich zunächst Regionalbeauftragter der Deutschen Herzstiftung.

Eines Tages fragte mich dann der leitende Kardiologe eines örtlichen Rehabilitationszentrums, ob ich Interesse daran hätte, eine lokale Selbsthilfegruppe für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ins Leben zu rufen.

So gründete ich im Jahr 2024 eine Selbsthilfegruppe in meinem Heimatort sowie eine weitere in der näheren Umgebung. Geteiltes Leid ist halbes Leid – Menschen, die von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen sind, erkennen in der Gruppe, dass sie nicht allein sind. Sie helfen einander dabei, mit der Krankheit umzugehen, mit ihr zu leben, ihre Lebensqualität zu erhalten.

Hierbei kann die Gruppe unterstützend wirken.

„Es ist jedoch keineswegs notwendig, erst so lange zu warten, bis man völlig außer Gefecht gesetzt ist.“

Blick nach vorn

Angesichts der bedeutenden Fortschritte, die in mehr als drei Jahrzehnten der Herz-Kreislauf-Forschung erzielt wurden, sollte sich heute jeder der kardiovaskulären Risiken im Allgemeinen und insbesondere der „stillen“ Risiken im Zusammenhang mit Hyperlipidämie und erhöhtem LDL-Cholesterinspiegel bewusst sein.

Besonders Risikopersonen sollten ihre Werte kennen, wissen, wie man diese frühzeitig erkennt und diagnostiziert, und wissen, wie sie dieses Risiko senken können. Die Herausforderung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht darin, dass sie keine Schmerzen verursachen – bis man plötzlich völlig unvermittelt aus der Bahn geworfen wird.

Es ist jedoch keineswegs notwendig, erst so lange zu warten, bis man völlig außer Gefecht gesetzt ist. Die Botschaft lautet: Lass Dein Blut regelmäßig untersuchen. Gib nicht auf! Steh auf, Krönchen richten, weiter machen. Denke unbeschränkt, aber beachte und kenne deine – neuen - Grenzen.

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